Ist die Finanzkrise nun vorbei oder regiert Geld (Angst) die Welt?

Die Finanzkrise ist entstanden, weil der Wachstumsmotor immer mehr angeheizt werden musste. Die herkömmlichen Finanzprodukte hatten ausgedient, weil sie aufgrund des Zinstiefs nicht mehr genug abwarfen, also erfand man neue Möglichkeiten Geld zu machen. Das Ziel war, mehr Rendite zu erwirtschaften, damit wieder mehr Geld zur Verfügung stand, um mehr zu kaufen, mehr zu haben, mehr zu horten. Das kapitalistische System, in dem wir leben, verlangt nach Konsum und Verschwendung, ansonsten hat es keine Daseinsberechtigung mehr. Und wir machen alle mit, manche mehr, manche weniger, manche bewusst, manche unbewusst.

Hinter diesem Wachstumsstreben steht die Gier jedes einzelnen Menschen nach mehr. Und nicht nur die Gier der Finanzjongleure, sondern auch unsere eigene. Was aber steht hinter der menschlichen Gier? Hier sind wir nun beim eigentlichen Thema angekommen: Der Angst!

Unser aller Verhalten wird oft gesteuert und angetrieben von Angst, bewusst oder unbewusst, meist aber sehr subtil. Da ist z.B. die Angst, nicht genug zu bekommen, die Angst zu versagen, die Angst, schlechter dazustehen als jemand anderes, die Angst zu verlieren, die Angst davor, keine Altersvorsorge zu haben, keine Absicherung im Krankheitsfall, irgendwann auf der Strasse zu stehen ohne Dach überm Kopf… All diese Themen sind uns irgendwie vertraut aber auch sehr bedrohlich. Wir versuchen uns auf vielfältige Weise davon abzulenken und flüchten uns in eine Welt von Illusionen (Fernsehen, Süchte etc.). Aber gelingen tut es uns kaum.

Wenn wir uns also damit auseinandersetzen, ob die Krise vorbei ist oder nicht, ist es von großer Bedeutung, diese Ängste näher zu betrachten.

Über die Gier wurde in den letzten Monaten häufig berichtet, nicht jedoch von den dahinter liegenden Ängsten. Und das aus gutem Grund, denn diese Ängste werden immer mehr von außen durch die Medien gefüttert: Wer Angst hat, ist manipulierbar, weil nicht frei. Und Angst lähmt. Sie lähmt so sehr, dass wir alles über uns ergehen lassen. Das war gerade in den letzten Monaten sehr gut zu beobachten, wenn wir aufmerksam die Medien verfolgt haben und uns erinnern, wie wir uns zeitweise gefühlt haben, wenn eine Horrornachricht nach der nächsten uns entgegen sprang. Erinnern Sie sich, noch vor ein paar Monaten stand laut Medienberichte unser Finanzsystem vor der Wand. Jetzt, nachdem einige Banken und Automobilkonzerne Finanzspritzen erhielten, soll plötzlich das Ende der Krise in Sicht sein. Wir funktioniert das, fragt sich sicher der eine oder die andere.

Diese Krise, die sich im Außen im letzten Jahr weltweit zeigte, ist auch ein Ausdruck unseres Seins, des Seins jedes einzelnen Menschen und an dieser Stelle haben wir alle die Möglichkeit etwas im Außen zu verändern, wenn wir auf uns selbst schauen. Und was Einzelne an Veränderung im Außen bewerkstelligen können, zeigten die Ereignisse im Osten Deutschlands im November vor zwanzig Jahren: Zunächst waren es nur ganz wenig Menschen, die ihren Unmut auf friedliche Weise äußerten, zuletzt waren es Hunderttausende, die die Betonmauern friedlich zum Einsturz brachten.

Vieles ist bereits getan, wenn wir nicht im Außen auf die Antwort darauf suchen, ob die Krise vorbei ist, sondern in uns selbst. Durch diese Bereitschaft kann jeder Mensch an dieser Krise wachsen und Schritte in die persönliche Freiheit und Unabhängigkeit tun. 

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